Weiser Wein: Gehaltvolles für Geist und Genuss

Wortgewaltige Weinpreissung

Wer schon einmal die beflügelnde Wirkung eines guten Schluckes edlen Weines genossen hat, den hat sicherlich auch schon die Muse geküsst. Großen Persönlichkeiten ist es dabei nicht anders ergangen. Vielmehr entdeckt man rund um den erlesenen Traubensaft eine wahrhaftige Schatztruhe an weisen Sprüchen und klugen Zitaten. Schon Philosophen und Politikern im antiken Griechenland legte ihre Weinleidenschaft feinsinnige Worte in den verwöhnten Mund. Der allseits bekannte Aristoteles gelangte dank seines Wissens um die Zauberkräfte, die dem Wein innewohnen, zur weitreichenden Erkenntnis „Vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte.“ Der Lyriker Alkäus hat hingegen circa 600 vor unserer Zeitrechnung die noch immer gern und viel zitierte Weisheit kundgetan, dass im Wein die Wahrheit steckt. Ganz nach dem Motto „in vino veritas“ haben auch die Römer gehandelt – und gegossen. Der verehrte Schriftsteller Plinius huldigte den erquicklichen Wirkungen eines vorzüglichen Rebensaftes in einer geradezu religiösen Art und Weise, wird ihm doch folgende Aussage zugeschrieben: „Der Nutzen des Weins kann der Kraft der Götter gleichgesetzt werden.“ Wein und Gottesfurcht haben sich aber schon seit jeher nicht ausgeschlossen. Schon das Alte Testament ermahnt zum weißen oder roten Trinkvergnügen, allerdings mit gebührlicher Zurückhaltung: „Wein ist so gut wie Leben für einen Mann, wenn er mit Maß getrunken wird; was ist Leben dann für einen Mann ohne Wein? Denn Wein wurde geschaffen, um Männer glücklich zu machen.“ Martin Luther scheint hingegen eher einem gehaltvollen, als maßvollen Weingenuss gefrönt zu haben. „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Thor sein Leben lang“ war ebenso ein Lebensmotto für den nachhaltig einflussreichen Kirchenmann wie die Feststellung „Bier ist Menschenwerk, Wein aber ist von Gott!“. Der Trinkgenuss in rot oder weiß dient aber auch als Grundlage für Metaphern, wie sie unter anderem der Schweizer Theologe Markus M. Ronner angestellt hat: „Kein Wein ist so sauer wie der reine, der einem eingeschenkt wird“.

Geistige Elite und geistvolles Volk

Autoren und große Denker bringt der Genuss eines gemütlichen Tröpfchens schon seit Menschengedenken zu pointierten Schlussfolgerungen. So bringt es Johann Wolfgang von Goethe kurz und knapp auf den Punkt: „Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“. Aber auch sein berühmter Faust kann ohne Wein nicht sein und verkündet lautstark „Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein!“. Nebenbei entdeckt der deutsche Dichterfürst auch die völkerverbindenden Aspekte des erlesenen Tropfens: „Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern“. Louis Pasteur huldigt dem Wein hingegen in wissenschaftlich-nüchterner Art: „Der Wein kann mit Recht als das gesündeste und hygienischste Getränk bezeichnet werden“. Unterstützung erhält er bei seiner Lobpreisung des in vielerlei Hinsicht wirksamen Traubensaftes vom deutschen Schriftsteller Friedrich Martin von Bodenstedt. Dieser erkannte im 19. Jahrhundert, dass „der nicht Wert des Weines, der ihn wie Wasser trinkt“. Auch Joachim Ringelnatz spricht sich für einen maßvollen Genuss aus, denn „wer keinen Wein trinkt, dem entgeht viel Genuss, wer aber den Wein falsch trinkt, verdirbt sich und anderen den Genuss“. Aber auch der Volksmund tut über den ganzen Globus hinweg weinselige Wahrheit kund. Egal, ob der Weinliebhaber in Schweden oder im deutschsprachigen Gebiet seiner Leidenschaft nachgeht, die viel erprobten Ratschläge an den Genießer umfassen das ganze Spektrum von „der Wein hält nichts geheim“ bis zu „Regen lässt das Gras wachsen, Wein das Gespräch“. Aber jeder anspruchsvolle Kenner des perfekten Genusses hält es mit Theodor Heuss, der in seiner Weisheit zu folgendem weinseligen Schluss kam: „Wein saufen ist Sünde, Wein trinken ist beten. Lasset uns beten“.

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