Weingeschichte – Wechselvoll zum erlesenen Hochgenuss

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist die Weinrebe um einiges länger auf der Erde beheimatet als der Mensch. In Fossilien haben sich die Reste wilder Reben erhalten, die bereits vor rund 80 Millionen Jahren rankten. Aber sobald der Mensch auf der Bildfläche erschienen ist, hat er die Vorzüge der Trauben erkannt und für sich genutzt. Zuerst dienten die Weintrauben lediglich als Sattmacher. Schon die Steinzeitmenschen haben in ihren Höhlen durch den Verzehr der weißen oder blauen Früchtchen neue Kraft getankt. Um aber wohlschmeckenden Wein keltern zu können, mussten die Menschen sesshaft werden, denn der Wein benötigt das ganze Jahr über liebevolle und fachkundige Betreuung, um schmackhaft zu gelingen.

In der Gegend des heutigen Iran haben die Bauern aller Wahrscheinlichkeit nach als erstes das genießerische Potenzial der Weinreben entdeckt. Vor allem der Weinort Schiraz, der übrigens als Namensgeber für eine heute äußerst beliebte Weinsorte fungiert, stand in der damaligen Welt im Ruf, den besten Wein hervorzubringen. Aber auch auf dem Gebiet der heutigen Türkei oder Georgiens belegen Funde, dass vor circa 8000 Jahren der Mensch bereits Reben kultiviert hat. Die Entwicklung des Weinbaus steht immer im engen Zusammenhang mit den Bedürfnissen der frühen Kulturen: Ägyptische Malereien belegen eine hohe Beliebtheit des Weines ebenso wie Zeugnisse, die über den altgriechischen Weinbau sowie über die dortige Weinherstellung Auskunft geben. Aber vor allem die Römer haben sich um die Verbreitung des Weingenusses verdient gemacht. Sie brachten ihren Wein bis ins heutige Frankreich und auch auf österreichischem Boden haben die alten Römer dem Wein zu seinem Durchbruch verholfen. Der Wein galt in früherer Zeit so gut wie in allen Kulturen als Göttertrank. Die Griechen und die Römer bedachten den Wein sogar jeweils mit einer eigenen Gottheit, Dionysos und Bacchus, die noch heute lustvolle und genussreiche Assoziationen hervorrufen.

Weingeschichte in Österreich

Österreich blickt ebenso auf eine weit zurückreichende Tradition des Weinanbaus zurück. Vor den Römern haben vor rund 7000 Jahren die Kelten die im Wein liegenden Freunde kultiviert. Die ersten Belege dafür finden sich im burgenländischen Zagersdorf, das damit mit Fug und Recht behauptet, der wohl älteste Weinort Österreichs zu sein. Die weite Verbreitung und damit die außerordentliche Beliebtheit des Weines aus Österreich haben wir aber den Römern zu verdanken, die vor allem in der Provinz Noricum ideale Voraussetzungen für den Weinanbau vorfanden. Nachdem die Römer aus dem heutigen Österreich abgezogen waren, setzte allerdings eine lange Pause in der hiesigen Begeisterung für Wein ein: Die Völkerwanderung machte dem Lesen und Keltern erlesener Trauben einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Erst mit dem Mittelalter und später in der frühen Neuzeit erfuhr die österreichische Weinkultur eine erneute Belebung. Karl der Große hat sich der Kultivierung des Weinbaus in der Östlichen Mark, die sich auf oberösterreichischem Gebiet befand, angenommen. Basierend auf der „Capitulare de villis“, die in dieser Landschaft ersonnene „Anleitung für den Rebenbau und seine Pflege“ stand einer Renaissance des Weins aus unseren Gefilden nichts mehr im Wege. Danach kümmerten sich vor allem Klöster aus Bayern um den Weinbau. Zentren der damaligen Weinkultur waren neben der Wachau, auch Linz und der Neusiedler See. Erste Urkunden belegen die Existenz der Kremser Sandgrube sowie des Steiner Pfaffenberg seit dem 13. Jahrhundert. Wahrscheinlich zählten aber sogar Kärnten, Salzburg und Tirol dazu. Erstmals wurde auf eine möglichst hohe Qualität der Weine geachtet. So geschehen auch unter Kaiser Maximilian I., in dessen Regentschaft erstmals Trockenbeerenauslesen produziert wurden.

Im 18. Jahrhundert machten sich vor allem Kaiserin Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II. um den österreichischen Wein verdient. Auf Joseph II. gehen zum Beispiel die heute noch beliebten Heurigen zurück. Das 19. Jahrhundert war hingegen geprägt von wein-haften Katastrophen, die aus Amerika importiert wurden: die Reblaus und der echte sowie der falsche Mehltau haben ganze Weinkulturen zerstört. Aber auch Positives gibt es aus dieser Zeit zu berichten, denn nach diesem Einschnitt nahmen sich neu gegründete Weinbauschulen in Retz, Krems, Gumpoldskirchen oder Mistelbach dem Weinbau an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konzentrieren sich die österreichischen Winzer auf die Produktion qualitativ erstklassiger Tropfen. Nach einer Zäsur durch den Weinskandal 1985, bei dem Prädikatsweine mit Glykol versetzt wurden, hat sich der österreichische Wein und seine Protagonisten von dem Schock schnell erholt und setzen heute ihr ganzes Geschick auf die genussreiche Qualitätskarte.

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