Hermann Nitsch: Unangepasster Zeremonienmeister mit Sinn für das Echte
Wenn es derzeit ein Österreicher schafft, die Volksseele zum Kochen zu bringen, dann ist dies Hermann Nitsch. Obwohl der heute international anerkannte Aktionskünstler inzwischen in gemäßigterer Eintracht seine Tage hauptsächlich im lieblichen Waldviertel verbringt, provoziert seine Malkunst noch heute die Gemüter und anhand seiner Werke lässt sich vorzüglich über Kunst oder Nicht-Kunst streiten. Als diplomierter Grafiker hat er die Wiener Grafische Lehr- und Versuchsanstalt hinter sich gelassen, um nach einer Anstellung als so genannter Gebrauchsgrafiker ab den 1960er Jahren die internationale Kunstszene aufzuwühlen. Bereits in der ersten Phase seines künstlerischen Schaffens trieb Hermann Nitsch die Idee zu seinem aufwühlenden Orgien-Mysterien-Theater um, dass ursprüngliche Wildheit zu einem sinnlichen Fest ausufern lässt. Den österreichischen Behörden war sein kühnes Bekenntnis zu seinem künstlerischen Naturell nicht geheuer, weshalb sie den kompromisslosen Lebemenschen auch öfter ins Gefängnis steckten. Somit hatte zwar die Allgemeinheit ihre ärgernislose Ruhe, Nitsch aber auch einen Grund, das Land zu verlassen. Er verließ Österreich in Richtung Deutschland und USA, wo er mit seinem Orgien-Mysterien-Theater große Erfolge feiern konnte. Seit Anfang der 1970er Jahre hat sich Hermann Nitsch aber wieder an sein Heimatland angenähert und auch Österreich hat sich seitdem Schritt für Schritt mit seinem herausfordernden „großen Sohn“ nicht nur sprichwörtlich ausgesöhnt. Im Jahre 2005 gipfelte dieser langwierige und für beide Seiten schwierige Prozess in der Verleihung der Goldenen Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien. Im Ausland wurde das Genie eines Hermann Nitsch freilich schon viele Jahrzehnte früher entdeckt und gewürdigt. In den wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst, wie unter anderem im Museum Of Modern Arts in New York, laden seine aufwühlenden Werke zum manchmal verstörenden Kunstgenuss ein. Im Rahmen seiner Gastprofessuren in Deutschland hat er sowohl an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main – als auch an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg seine existenzielle Philosophie einer heranwachsenden Generationen gestaltungskräftiger bildender Künstler näher gebracht: „Leben ist Passion, der Malprozess ist verdichtetes Leben und damit der Inbegriff der Passion.“
Ein Hoch auf das dramatische Wein-Fest
1971 hat Hermann Nitsch das Schloss Prinzendorf im niederösterreichischen Weinviertel bezogen und residiert seitdem inmitten der idyllischen Weinberge. Zu seinem Anwesen zählt auch ein eigener Weingarten, den der Vertreter des Wiener Aktionismus allerdings nicht eigenhändig bewirtschaftet. Das Keltern der Trauben auf seinem Besitz überlässt der Maler den umsichtigen Winzern des Weingutes Martinshof, das sich in unmittelbarer Nähe von Schloss Prinzendorf nahe des Weindorfes St. Ulrich befindet. Der junge Winzer Michael P. Martin produziert beispielsweise den berühmten Nitsch-Doppler. Als „Gemischter Satz“ bereitet er einen ursprünglichen Weingenuss. Seine geheimnisumwitterten Ingredienzien sind die unterschiedlichen Rebensorten, die in den Lagen rund um den Wohnsitz des anerkannten Malgenies ursprünglich wachsen und gedeihen: Dazu zählen diverse regionale Ursorten ebenso wie der Grüne Veltliner, der Welschriesling oder der rare Graue Portugieser. Nitsch bedauert den schlechten Ruf, den der österreichische Doppler genießt. Für ihn handelt es sich dabei vielmehr um ein erlesenes Stück österreichischer Weinkultur, das es mit einer französischen Magnumabfüllung aufnehmen kann. Der Doppler harmoniert auch ideal mit dem Leitsatz des Wieners, der im Jahre 1938 das Licht der Welt erblickte: „Die Leute werden gut gefüttert und getränkt. Mein Drama soll ein Fest sein.“ Für dieses Fest stehen nicht nur die kantig-kräftigen Weißweine aus seinem eigenen Weingarten zur Verfügung, auch mit einem Pinot Noir oder einem Zweigelt aus dem ursprünglich und dennoch – oder gerade deshalb – innovativ agierendem Hause Martinshof lässt sich das Schaffen des Hermann Nitsch vorzüglich und standesgemäß begießen.
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