Alfred Komarek: Erlesenes aus dem Weinviertel

Ein Freigeist der typisch österreichischen Art, das ist der erfolgsverwöhnte Autor Alfred Komarek. Geboren wurde der nunmehrige leidenschaftliche Wahl-Niederösterreicher 1945 im steirischen Bad Aussee, wo er auch heute noch teilweise lebt. Seine besondere Passion gilt aber der auf den ersten Blick malerischen Landschaft des Weinviertels, dessen menschlichen Abgründen Komarek mit seiner Romanserie rund um den Dorfpolizisten Simon Polt nachspürt. Mit diesem schrulligen Protagonisten ist dem Krimiautor ein liebevolles Portrait der Bewohner dieses Landstriches gelungen, das sich vor allem durch die unaufgeregte und etwas eigenwillige Mentalität der Weinviertler auszeichnet. Literarisch aufbereitet ermittelt Polt in fünf Fällen, zu deren Protagonisten neben den Opfern und Tätern auch die Kellergassen und die allgemeine Weinseligkeit einer typischen Weingemeinde dieser Region zählen. Diesen erlesenen Zutaten verdanken die Werke Komareks wie „Polt muss weinen“, „Blumen für Polt“, „Himmel, Polt und Hölle“, „Polterabend“ sowie der griffige letzte Teil der Krimireihe „Polt“ ihre atmosphärische Einmaligkeit. Der verschrobene Staatsdiener klappert mit seinem Waffenrad die Weinberge und die Weinbauern ab, um auf die richtige Spur zu kommen. Neben den Romanen haben auch die Verfilmungen der Polt-Abenteuer zur Popularität des Protagonisten beigetragen. In dem Schauspieler Erwin Steinhauer hat diese Figur einen kongenialen Interpreten gefunden, der sensibel den Weinviertler Menschenschlag enttarnt. Als Drehort zeigt sich das Weindorf Pulkautal von seiner erlesenen Seite. Die Spezialität dieser Gegend ist der charaktervolle, fruchtig-pfeffrige Grüne Veltliner, der sich in der eigenwilligen Persönlichkeit des Simon Polt perfekt spiegelt. Die weite und hügelige Landschaft des Weinviertels bringt edle Tropfen hervor, die sich geschmacklich eindeutig von Weinen aus anderen Regionen des Weinlandes Österreich unterscheiden. Aus diesem guten Grund ist der dortige Grüne Veltliner „Weinviertler DAC (Districtus Austriae Controllatus)“ ebenso unverwechselbar wie die Mentalität der hiesigen Bevölkerung. Dank seiner detaillierten und trotzig-liebevollen Beschreibungen von Land und Leuten konnte Alfred Komarek bereits einige begehrte Auszeichnungen entgegennehmen. Im Jahre 1998 erhielt er unter anderem den Friedrich-Glauser-Preis, den ihm die „Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur“ zuerkannt hat. Aber auch die filmische Umsetzung seiner Polt-Reihe für den ORF und ARTE hat die Fachjury überzeugt und dem Schriftsteller 2002 den österreichischen Fernsehpreis Romy für das beste Drehbuch verliehen.

Literarische Denkmäler für ursprüngliche Weinregion

Ein richtiges Näschen hat Alfred Komarek selbst aber nicht nur mit seinen Büchern rund um Simon Polt bewiesen. Dem Weinviertel in all seinen faszinierenden Facetten hat der Schriftsteller auch im Rahmen einiger Sachbücher ein literarisches Denkmal gesetzt. Wer sich in diesem ursprünglichen Gebiet als Gast umsehen möchte und dabei das ein oder andere Gläschen Roten oder Weißen genussvoll verkosten möchte, dem sei Komareks Werk „Weinviertel. Tauchgänge im grünen Meer“ ans genussfreudige Herz gelegt. Mit dieser Lektüre vermittelt der Meister des geschriebenen Wortes in gekonnter Art und Weise die charakteristischen Eigentümlichkeiten dieser Kulturlandschaft, die von der Weinleidenschaft seiner Bewohner geprägt wurde und auch heute noch wird. Die Beziehung von Alfred Komarek zu seinem Weinviertel gleicht wohl einer beidseitigen und äußerst fruchtbaren Liebesheirat aus edelsten Motiven. Der Autor selbst verdankt nämlich nicht nur seine große Popularität unter den Freunden der anspruchsvollen Krimikost der Einzigartigkeit dieses niederösterreichischen Landstrichs. Der Privatmann Alfred Komarek wurde auch selbst voll und ganz von der Faszination der exzellenten Rebensäfte gepackt und kann sich heute Besitzer zweier Presshäuser nennen. Möge auch künftig noch eine Menge erlesener Traubensaft aus diesen Gebäuden fließen, auf dass mithilfe der weinseligen Inspiration noch viele literarische Leckerbissen der Feder des Autors auch Nicht-Weinviertler erfreuen.

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