Weingut Martinshof: Mit einer Portion Wahnsinn zum Ausnahmewinzer

Im beschaulichen Weinviertel befindet sich das Weingut von Michael Martin mitten in der lieblichen Landschaft und entlockt mit seinem Innovationsgeist den althergebrachten Wen- und Rebsorten dieser Region neue Lebensgeister. Das Weindorf St. Ulrich – Neusiedl an der Zaya ist aber nicht nur für seine herausragenden Weine bekannt. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnsitz des Aktionskünstlers und Malers Hermann Nitsch gedeiht auch die Eigenständigkeit widersprüchlicher Charaktere aufs Beste. Der leidenschaftliche Winzer Martin ist das Paradebeispiel dafür. Als Mitglied einer alteingesessenen Winzerfamilie sind ihm Tradition und das Bekenntnis zur Region keine Fremdworte. Dennoch ist seine Persönlichkeit auch immer auf der Suche nach dem Neuen oder dem Unbekannten, das tief verschüttet nut darauf wartet, entdeckt zu werden. Bereits als Michael Martin anfing, sich tiefergehender mit dem Wein und dem Weinbau zu beschäftigen, hat er sich auf ungewöhntes Terrain begeben. Der Legende nach haben bereits seine Vorfahren versucht, den eigenwilligen Weißburgunger in St. Ulrich zu kultivieren. Aufgrund des geringen Ertrages wurde dieses Unterfangen aber schon bald wieder ad acta gelegt. Doch nur solange, bis sich der neue Herr im Weingut Martinshof der über lange Zeit verkannten Rebsorte angenommen hat. Bereits in den 1980er Jahren versuchte Michael Martin, den anspruchsvollen Weinliebhaber mit dem manchmal kapriziös erscheinenden weißen Burgunder vertraut zu machen. Der erste Versuch misslang, denn gegen die aufdringliche Lieblichkeit der damaligen Weinfavoriten, die mit ihrer dumpfen Süße die Sinne benebelten, konnte die nicht leicht zu fassende Entdeckung des Neo-Weinbauern nicht ankommen. Aber Michael Martin gab nicht auf, er ließ die Zeit für sich arbeiten, die den Geschmack der Weinkenner hin zu einem anspruchsvolleren Genuss führte. Martin vergleicht seinen Weißburgunder gerne mit einer Frau, die ihrem Wesen nach kompliziert ist, deren Versprechen man aber blind vertrauen kann. Als Individualist weiß der Winzer die Eigenarten seines Weines, wie auch seiner Kunden zu schätzen. Zu den Spezialitäten des Weingutes Martinshof gehört neben dem Weiß- auch der Blauburgunder: Vor allem das Finessenreichtum des markanten Pinot Noir Galgenberg 2004 hat den Ruhm des Kämpfers für gehobenen Weingenuss begründet. Nachbar Hermann Nitsch zeigt sich beispielsweise von diesem roten Ausnahme-Tropfen ebenso begeistert wie vom aussagekräftigen „Nitsch-Wein“ aus dem Hause Martinshof, mit welchem der österreichischen Doppler-Tradition Tribut gezollt wird. Aber auch ein anderer Urösterreicher beflügelt die Kunden des umtriebigen Winzers: Der Grüne Veltliner Sonnenberg oder der weiße Landwein „Martin Sepp“ versprechen einfach charakteristische Weinvergnügen mit ergründbaren Eigenheiten.

Ganzheitlicher Wein-Genuss mit sozialem Gewissen

Die Philosophie des ambitionierten Weinviertlers lässt sich auf einen pointierten Nenner bringen: Individualität und Qualität. Top-Winzer Michael, der mit seiner Ehefrau Freya und den Kindern Luise und Leopold auf dem Weingut Martinshof lebt, hat nicht den Anspruch, von allen gemocht bzw. von sämtlichen Weinkennern gelobt zu werden. Sein Hauptaugenmerk gilt den besonderen Menschen, die laut seiner Definition immer Individualisten sein müssen. Denn in der großen Masse wird feine Klasse unsichtbar. Seine Neigung zu unverwechselbaren Charakteren spiegelt sich auch in seiner Reihe „Klapper muss leben“ wider. Hinter dem „Klapper“ verbirgt sich dabei ein in Eichenfass gelagertes Destillat aus Pinot-Noir-Trester. „muss“ leiht seinen Namen einem Nussschnaps von eingängiger Süße, während das „Leben“ durch ein klares Trester-Destillat der Pinot-Noir-Trauben versinnbildlicht wird. Bei all diesen feucht-fröhlichen Köstlichkeiten kommt auf dem Weingut Martinshof aber auch der kulinarische Genuss nicht zu kurz. Mehrmals im Jahr hat der familieneigene Heurige seine Pforten geöffnet, und beweist, dass die erlesenen Weine aus dem Hause Martin auch mit den Schätzen aus der Weinviertler Küche hervorragend harmonieren: Ein hausgemachtes rustikales Bratl vom Schwein findet in den verschiedenen Weinspezialitäten ebenso den perfekten Partner wie schmackhafte Kürbisaufstriche oder die würzigen Hauswürstel. Michael Martin gibt sich aber niemals zufrieden und tüftelt immer weiter an neuen Herausforderungen für die Sinne der Genießer. Mit seinem Winzerkollegen Werner Hauser aus Poysdorf ist er beispielsweise eine hochklassige Zusammenarbeit eingegangen. Die beiden passionierten Weinherren haben die winefriends gegründet und arbeiten gemeinsam kräftig an der Perfektion ihrer Weiß- und Rotweine. Die Stärken des jeweils anderen erheben so die Produkte in ungeahnte Dimensionen. Aber auch für sein soziales Engagement ist Michael Martin bekannt: Im Jahre 2008 hat er als erster den Life Ball Wein kreiert. Eine harmonische Komposition aus Zweigelt und Weinviertel DAC hat das ihrige dazu beigetragen, dass die Ballnacht unvergesslich wurde. Ein bestimmter Betrag pro gekaufte Flasche kommt außerdem der AIDS-Hilfe zugute. Der Life Ball mit seinen schrägen Vögeln aber ernsten Anliegen ist für einen wie Michael Martin das ideale Umfeld für frische Inspiration für seinen Kampf für den anspruchsvollen, individuellen Weingenuss.

Rezepttipp zum Pinot Noir:

Gefüllte Beiriedschnitte an Blauburgundersauce:

Zutaten:
4 Beiriedschnitten á 150 g
50 g Butterschmalz
Salz
Pfeffer aus der Mühle
200 g Kalbsfarce
100 g blanchiertes, klein gewürfeltes Gemüse nach Geschmack
1 TL frische Kräuter der Saison
1 gewässertes Schweinsnetz

¼ l Rindsfond oder -suppe
1/8 l Blauburgunder
80 g kalte Butter

Zubereitung:
Beiriedschnitten klopfen und mit Salz und Pfeffer würzen. Anschließend wird das Fleisch auf das Schweinsnetz gelegt und mit der Mischung aus Kalbsfarce, Gemüsewürfeln und Kräutern bestrichen. Danach werden die einzelnen Schnitten eingerollt und mit dem Schweinenetz umwickelt. In einer Pfanne wird das Butterschmalz erhitzt und die Schnitten auf allen Seiten kross angebraten, bevor sie in Alufolie eingewickelt rund zwanzig Minuten im vorgeheizten Rohr bei 150 Grad garen.

Für die Blauburgundersauce wird der Fond bzw. die Rindssuppe gemeinsam mit dem Wein auf dem Herd reduziert und abschließend mit der kalten Butter montiert.

Zur gefüllten Beiriedschnitte an Blauburgundersauce passen als Beilage hervorragend entweder Polenta oder Kartoffeln.

Weingut bzw. Winzer Martinshof

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