Familie Jud: 100 Jahre traditionsreicher Schilcherweinbau

Das kleinste aller österreichischen Weinbaugebiete ist die Weststeiermark. Die heimischen Weinbaubetriebe weisen nur selten eine Größe auf, die über einige Hektar hinausragt. Sie widmen sich alle zu nahezu 100% dem wohlbekannten Schilcher. Es handelt sich hierbei um einen österreichischen Roséwein, der ausschließlich aus der Traubensorte Blauer Wildbacher gewonnen wird, und nur in der Steiermark diesen Namen tragen darf. Der Schilcher ist demnach ein geschützter Wein und die Weststeiermark gilt als Hauptanbaugebiet dieses edlen und seltenen Tropfens.

Die Blaue Wildbacher-Rebe ist ein Relikt aus lang vergangenen Zeiten. Es wird angenommen, dass sie bereits 400 v. Chr. von den Kelten aus einer heimischen Wildrebe gezogen wurde. Der erste Nachweis stammt jedoch aus dem 16. Jahrhundert. Und keinem geringeren als Papst Pius VI., der im Jahre 1782 auf der Fahrt zu Joseph II. nach Wien im Kloster Maria Lankowitz bei Koflach eine Rast einlegte, wurde ein Schilcher gereicht, was er sogleich in seinem Tagebuch festgehalten hat: „Sie haben Uns einen rosaroten Essig vorgesetzt, den sie Schilcher nannten.“ Der Ehrwürdige verstand darunter wohl den rassigen, säurebetonten Geschmack, welcher diesen einzigartigen Wein auszeichnet.

Das Anbaugebiet des Blauen Wildbachers erstreckt sich heute über rund 450 Hektar. Der Schilcher ist natürlich nicht der einzige Wein, der aus dieser geschichtsträchtigen Rebsorte gewonnen wird. Auch kraftvolle Rotweine, edelsüße Weine, fruchtsüße Eisweine und extravagante Schaumweine verdanken ihre Existenz dem Wildbacher nero, wie der Blaue Wildbacher auch gerne genannt wird. Diese aufregende Vielfalt geht in erster Linie auf die begabten Weinbauer zurück, von denen jeder einzelne seine eigentümliche Philosophie in die Arbeit einfließen lässt.

Die Winzerfamilie Jud und der Schilcher

Die Familie Jud widmet sich seit 3 Generationen dem Schilcherweinbau. Der jetzige Besitzer, Erich Jud, führt die 100-jährige Familien-Tradition fort, welche durch seinen Großvater im August im Jahre 1906 begonnen wurde. Angefangen hat alles mit dem Kauf der Liegenschaft Kothvogel 2 im weststeirischen Stainz: Wiesen, Äcker, Wald und ein winziger Weingarten. Durch viel Arbeit und Fleiß konnten angrenzende Flächen erworben und bebaut werden. 1939 übernahm sein Sohn Wilhelm Jud die Obst- und Weingärten. Ein Buschenschank wurde eröffnet und die Arbeit mit Pflichtbewusstsein im alten Stil getätigt.

Nun ist es Erich, der das Sagen hat. Der gelernte Winzer- Obstbau- und Kellermeister ist nun auch schon seit 40 Jahren im Betrieb tätig. Viel hat sich in dieser Zeit getan: ein moderner Weinkeller wurde gebaut, alle Weingärten neu angepflanzt und auf moderne Erziehungsarten umgestellt. Die Errichtung des Schlossweingartens am Südhang des Stainzer Schlosses fand 1990 statt. Dem ehemaligen und inzwischen umgebauten Winzerhaus wurde 1998 eine neue Aufgabe zugeteilt. Darin befindet sich nun ein uriger Buschenschank, wo kulinarisch interessierte Gäste unter anderem mit hauseigenen Köstlichkeiten verwöhnt werden. Spezialitäten wie Geselchtes, kalter Schweinsbraten, saures Rindfleisch oder eine Steirer Käseplatte laden zum längeren Verweilen ein. Und ein exquisiter Tropfen von einem der zahlreichen Weine aus dem Hause Jud darf selbstverständlich in diesem Zusammenhang nicht fehlen.

Die zusammenhängenden Weingärten in der Markgemeinde Stainz umfassen eine Fläche von 8 Hektar. Das Weinbaugebiet am Südhang des Schlosses Stainz ist wahrlich eine Besonderheit. Dort kultivierte der vom Volk geliebte Erzherzog Johann vor 150 Jahren den Schilcher.

Heute sind die Rebstöcke in Eindrahterziehung ausgepflanzt und weisen zudem einen steirischen Bogenschnitt auf. In den begrünten Weingärten wird eine Milchwirtschaft betrieben. Abgesehen vom Blauen Wildbacher werden noch weitere Rebsorten, Weißburgunder, Welschriesling und Zweigelt, angebaut. 92% der Produktion besteht aus Rot-, 8% aus Weißwein. Die Produktionsmenge beläuft sich auf 57.000 Flaschen (4.750 Kisten) Wein edelster Güte.Winzer Familie Jud

Zu den von der Familie Jud erzeugten Schilchern zählt der Schilcher Tröpfler, Schilcher Frizzante und Schilcher Glühwein. Wer auf Alkohol verzichten möchte oder muss, wird auch nicht vernachlässigt: der hauseigene Schilchertraubensaft betört so manche trockene Kehle. Und auch die erfrischenden Weißweine (Weißburgunder, Morillon und Welschriesling) erfreuen den Gaumen eines jeden Anbeters der weißen Genussvariante. Ein Stamperl Edelbrand nach dem Essen hat auch noch keinem geschadet. Familie Jud zeigt sich sehr vielfältig und hat auch Schnapsliebhabern etwas zu bieten: Weinbrand im Holzfass, Kräuter-, Zwetschgen-, Apfel- und Tresterbrand. Auch das wohlschmeckende Kernöl, Kürbiskerne und hausgemachter Honig stehen in Form von hochwertigen Produkten im Angebot.

Der Schilcher (Blauer Wildbacher) 2007 verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Es handelt sich schließlich um die Spezialität schlechthin aus Stainz und der Weststeiermark. Er wächst auf Schiefer- und Gneisböden und weist ein sortentypisches, fein-zartes und einzigartiges Fruchtbukett auf. Der Roséwein kann sich in verschiedenen Farbnuancen, von zwiebelfarben bis rubinrot, zeigen. Der Geschmack ist fruchtig, lebendig, feinsäuerlich (hoher Säureanteil), harmonisch und trocken. Frisch und jung mundet der Schilcher Tröpfler am besten. Er lässt sich hervorragend sowohl mit Jausen als auch mit warmen Speisen jeglicher Art kombinieren.

Rezepttipp zum Wein:

Kapuziner Nocken mit Dreierlei-Käse

Zutaten:
- 300g altbackenes Brot
- ¼ l Milch
- je 100g Schärdinger: Rauchkäse, Schlossdamer, St. Patron
- 1 Zwiebel
- 1 Esslöffel Mehl
- 3 Eier
- 2 Esslöffel Schnittlauch und Petersilie
- Salz
- 80g Butter
- 60g Parmesankäse
- Garnitur: Kapuzinerkresse-Blüten

Zubereitung:
Man gieße über das klein geschnittene Knödelbrot die lauwarme Milch; weichen lassen. Man schneide den Käse kleinwürflig, röste die klein gehackte Zwiebel in Butter an. Anschließend werden der Käse, die Zwiebeln, das Mehl, die Eier, die feingehackten Kräuter und das Salz zum Brot gegeben. Gut vermischen. Mit einem Esslöffel wird die Masse in der Hand zu Nocken geformt. In Salzwasser ca. 15 Minuten leicht köcheln lassen. Zum Schluss die Nocken auf einem Teller anrichten: mit Parmesankäse bestreuen und mit der braunen Butter übergießen. Noch etwas Schnittlauch darüber rieseln lassen und mit Kapuzinerkresse-Blüten garnieren, welche essbar sind.

Dazu einen schönen Schilcher der Familie Jud genießen.

Link zum Winzer: Familie Jud

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